Ich bin ein Wirtschaftsflüchtling!
Als Letzter am Freitag Abend im Büro sitzend höre ich Jamie Cullum's Gran Torino und lese bestürzt diese ORF-Schlagzeile
Das Bundesasylamt will nicht ausschließen, dass Nurie Zogaj selbstmordgefährdet ist. Das stehe jedoch einer Abschiebung der Familie in das Kosovo nicht im Weg, schrieb die Behörde den Zogajs.
Genau wie Arigona Zogajs Familie bin auch ich aus meinem Heimatland geflüchtet um in einem anderen Land nach Größerem zu streben, wo die Umstände (noch) besser waren, als wo ich herkam. Bei mir war das eben die ausgezeichnete Uni-Ausbildung in den USA (jaaaaa, es macht einen Unterschied ob dein Professor dich und 14 andere oder dich und 500 oder in meinem konkreten Fall 30 andere betreut) und jetzt schon über ein Jahr in Irland bei einem international agierenden Unternehmen zu arbeiten. Anders ausgedrückt: ich bin Österreicher, zahle dort keine Steuern, Arigona ist Kosovarin, ihre Eltern haben bis zur ersten Abschiebung Steuern gezahlt.
Österreich sollte sich glücklich schätzen, dass es sich den Wohlstand selbst erarbeitet hat. Die Kriegsgeneration und jene danach hat fleißig gearbeitet, sich für die Demokratie verfechtet. Österreich sollte also stolz sein, dass es mehr Zogajs gibt als Christophs; mehr, die ins Land kommen und arbeiten wollen, als aus dem Land verschwinden.
Die wahre Frechheit in diesem besonderen "Fall Zogaj" ist jedoch die Dauer des Asylverfahrens. Dass es ein Regulativ (den Asylsenat) und ein System braucht, soll (noch!) so sein. Dass aber nach einer ungenau ausgeführten "Aktenabwicklung" und nach einer vollständigen Integration eine Zwangsdeportation stattfindet, ist absolut hart. Mag zwar das Gesetz sein -- dann frage ich mich aber, warum es kein Gesetz gibt, das vorschreibt, dass nach über 2-3 Jahren Asylprozess in einem Land und einer erwiesenen Integration eine automatische Aufenthaltsgenehmigung erfolgt.
Viel mehr sollte es doch im Interesse Österreichs (und auch des Restes Europas) liegen, dass erst gar keine Flüchtlinge (ob wirtschaftlicher, politischer oder sonstiger Natur) gibt. Anstatt für den Aufenthalt von Flüchtlingen aufkommen zu müssen, weil sie keinen Job bekommen (würden sie doch sonst Österreichern den Job wegnehmen), ist das österreichische Steuergeld noch besser investiert, wenn wir es direkt vor Ort in deren Bildung, Ausbildung, Bildung, Landwirtschaft, Bildung, Wirtschaft, Bildung, Justizsystem und Bildung anderer Menschen anlegen. Habe ich schon gesagt, dass es vielleicht vor Ort in die Bildung der Menschen investiert werden sollte?
Darum, danke dass es die EU gibt! Ohne sie hätten wir noch immer eine viel stärkere Kluft im Nationen-Nationen-Denken. Ohne sie gäbe es keine regionalen Förder-Töpfe, die (zur Zeit noch) ärmeren Regionen unter die Arme greift. Selbst von einem wirtschaftlichen Standpunkt macht die Förderung von Nachbarstaaten Sinn. Kann sich denn noch jemand an den Marshall-Plan erinnern bzw. an die Geschichtsstunde, in der dieser durchgenommen wurde?
Einen ähnlichen Vorschag habe ich übrigens auch was die Integration von "Ausländern" betrifft, die allerdings schon legal und länger in Österreich sind, aber noch nicht integriert sind. Wir Österreicher müssen verstehen, warum sie gekommen sind, was die Bedürfnisse sind, auf sie offen zugehen und sie einladen im Chor mitzusingen, gemeinsam mit ihnen im Zuge einer "Bergfreunde"-Aktion am Sonntag auf die Hohe Wand zu klettern oder -- für die ganz Wagemutigen -- sogar Türkisch von einem Native Speaker zu lernen, diese brachliegende Chance wahrzunehmen und dann wie Attila Dogudan durch die Sprachenkenntnis wirtschaftlich erfolgreich im Ausland tätig zu sein. Man wäre erstaunt, wie viel durch positive, offene Kommunikation erreicht werden kann; wenn erst mal die österreichische Eigenart des Grantelns, Raunzens abgelegt wäre.
Wann kommt endlich die Zeit, in dem ich in an jenem Ort arbeiten und leben kann, wo ich am meisten weiterbekomme? Wann kommt die Zeit, wo fleißige Menschen aus armen Ländern in anderen ihr Glück versuchen dürfen?
Mittlerweile habe ich mir Gran Torino zum (sicher verzählten) 26ten Mal angehört und hoffe echt, dass es bald mehr Walt Kowalskis in Österreich und dieser Welt gibt, die die wahren Werte in Menschen erkennen und nicht nach den Buchstaben eines Pass-Deckblattes gehen.